Natürlich war ich erst einmal traurig, meine Heimat Deutschland (zunächst München, schließlich Essen) und die mir lieben Menschen gerade bei herrlichstem Frühlingswetter hinter mir lassen zu müssen.

Aber bereits im Flugzeug mischte sich in diese Melancholie bereits die Neugierde auf das, was mich wohl erwarten würde. Wirkliche Vorfreude war das sicher nicht, aber eine Art Entdeckergeist gepaart mit dem Vorsatz, alles ohne eine besondere Erwartungshaltung auf mich zukommen zu lassen.

Umso glücklicher war ich darüber, dass mir das Ankommen in dieser für mich neuen Welt von vielen Seiten her sehr erleichtert wurde. Am beeindruckenden neuen Terminal 3 des Beijing International Airport wurde ich von 2 freundlichen Mitarbeitern des Appartment-Komplexes "Star City" erwartet & zu meinem neuen Heim für die nächsten Monate gebracht. Star City
Mein "9er Appartment" ist keine - wie offenbar viele vermutet haben - große WG oder lustige Chinesen-Kommune, sondern eines der 1-Schlafzimmer-Appartments, die mit der Nummer 09 enden. Ich wohne im 20. Stock, so dass sich passenderweise die Nummer 2009 ergibt. Innerhalb der ersten Tage habe ich schon einige andere Mieter des Komplexes kennengelernt (bisher hauptsächlich westliche Praktikanten von Siemens oder ABB), wurde herzlich in diese Expat-Gemeinde aufgenommen und direkt zu diversen Abendessen oder sonstigen Aktivitäten mitgenommen. Schnell entdeckte ich zudem den fantastischen, riesigen chinesischen Supermarkt Lotte Mart direkt um die Ecke für mich und erwarb sofort ein für meinen Standard außerordentlich schickes und modernes Nokia Handy (hier auch noch einmal die korrigierte Nr: +86 1520 1331 388).
Meine Hoffnung, auch in Beijing einen bunten Frühling mit blauem Himmel und weißen Schäfchenwolken verbringen zu können, wurde am ersten Wochenende (Ostern!) zunächst bitter enttäuscht. Auf dem Spaziergang durch die Nachbarschaft und schließlich durch einen Teil der Innenstadt (Sanlitun) wurde ich lediglich mit einem facettenreichen grau-in-grau konfrontiert. Nach einem Moment der Verzweiflung fand ich mich zähneknirschend damit ab, vermutlich nur bei Wochenendausflügen frische Luft und natürliches Grün erleben zu dürfen. Umso schöner war dann der Start in meine erste Arbeitswoche: Sonnenschein und klare Sicht- vom 27. Stock des Siemens-Centers bis zu den Bergen vor den Toren der Stadt.

In meiner Abteilung wurde ich sehr herzlich empfangen und war dank unserer fitten und organisationsstarken Teamassistentin und der bemerkenswerten Leistung der SIS erstaunlicherweise direkt in der Lage, E-Mails zu empfangen. Um Ausweis, Telefon und den passenden SCD-Eintrag musste ich mich auch nicht mehr kümmern & auch das Internet funktionierte immerhin am 3. Tag. Eigentlich schade, dass ich das alles erwähnenswert finde, was?
In der kommenden Woche wird es dann inhaltlich richtig losgehen: in den Bereichen Compensation & Benefits sowie HR-IT stehen einige Projekte auf dem Programm, die ich unterstützen werde - bin mal gespannt, was da genau auf mich zukommt.
Bereits in den ersten Mittagspausen wurde ich von meinen Kollegen an die Vielfalt der chinesischen Küche herangeführt: Ich habe schon die Teigtaschen-Varianten Baozi und Jiaozi probiert sowie verschiedene Gerichte der tendenziell etwas schärferen Sichuan-Küche. Bisher war ich ausnahmslos begeistert. Zudem kommt mir die chinesische Esskultur entgegen: während ich in Deutschland in Anbetracht einer umfangreichen Speisekarte häufig mit Entscheidungsproblemen zu kämpfen habe (und mir dann am liebsten mit jemandem 2 Gerichte teile :-)), ist es hier normal, dass mehrere Gerichte bestellt und in die Mitte gestellt werden und dann alle alles teilen. Setzt natürlich ein wenig Übung im Umgang mit Stäbchen voraus, aber ich schlage mich einigermaßen tapfer. Beim "Hot Pot"-Essen am vergangenen Freitag abend sind mir nur gut ein Dutzend mal irgendwelche Gemüse- oder Fleischstücke (die man dann wie beim Fondue im heißen Sud gart) hingefallen und der Krampf in der Hand ging irgendwann auch wieder weg.

Gestern habe ich mir nach einem faulen Vormittag die 798 Dashanzi Art Zone angeschaut, die 5 Minuten Fussweg vom Star City liegt. Definitiv eine der Locations, die ich den kommenden Monaten regelmäßig besuchen werde. Abgesehen davon, dass ich bisher nur einen Bruchteil der vielen Galerien und Studios gesehen habe, gibt es dort zahlreiche hippe Restaurants und süße Cafes, teils auch mit Dachterassen- perfekt wenn es hier noch wärmer wird.
Habe außerdem die Bekanntschaft einem der Künstler gemacht und einen weiteren interessanten Eindruck zum gegenwärtigen China bekommen. Ich will nicht das ganze Gespräch und die Biografie von Gao Qiang wiederholen, aber es ist schon außerordentlich spannend, dass er und sein Bruder wegen ihrer teils sehr regime-kritischen Kunst (das Foto zeigt ihn neben einem weiblichen Mao) 14 Jahre lang (ich glaube bis 2003 oder so) nicht das Land verlassen durften und nun weltweit von einer Ausstellung und Performance zur nächsten reisen. Wen es interessiert: www.gaobrothers.net.
Ende Mai steht eine "The Utopia of Hugging" Performance in Hongkong auf dem Programm & da dies eh ein verlängertes Wochenende ist (Dragon Boat Festival), werde ich vielleicht die Gelegenheit nutzen, dort mitzumachen.
Ja, kaum zu glauben, dass ich erst eine Woche hier bin. Ist schon ein ganz schön langer erster Blog-Eintrag entstanden... Jetzt steht aber noch ein wenig Chinesisch-Lernen auf dem Programm. Eigentlich der einzige frustrierende Bereich aktuell - die Vokabeln bleiben einfach nicht hängen, es ist zum Verzweifeln. Das kann ich aber immerhin schon: zài jiàn & bis bald!
Hi Rike, klingt ja schon wirklich spannend und ich bin mir sicher, dass noch viele, grandiose Erlebnisse nur darauf warten, von dir gemacht zu werden! :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße aus dem doch etwas anderen Amerika ...
Hi Rike, jetzt nochmal Grüße von zu Hause!
AntwortenLöschenHolgi
Ola,
AntwortenLöschenIn der chin. Kunstszene soll es ja ganz schön abgehen.
Hast du noch andere Galerien besucht??
Hoffen, daß es Dir gut geht!
Bis bald & Schöne Grüße aus UK,
JLB
Liebe Rike,
AntwortenLöschenauch wenn ich mich nicht richtig von Dir verabschieden konnte (ich war zum Zeitpunkt Deiner Abschiedsparty mal wieder in meinem geliebten Honduras unterwegs!), verfolge ich gespannt Deinen Blog und wünsche Dir viel Spaß und Erfolg in den nächsten Monaten!
Liebe Grüße von der Ostseeküste!
Annika
Liebe Rike, gibts nix neues? schon lange nichts mehr gelesen.lass doch die Tage al wieder skypen.ich hoff dir gehts gut.bin wieder heil in HH angekommen.knutscha Hannah
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